Rechte Verlage und Veranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse

Die Dokumentationsplattform chronik.LE hat eine Übersicht über rechte Verlage und ihre Veranstaltugnen auf der Buchmesse erstellt welche wir an dieser Stelle dokumentieren.

Auf der vom 15. bis. 18. März stattfindenden Leipziger Buchmesse werden auch wie in den vergangenen Jahren rechte Aussteller ihre ausgrenzende Ideologie verbreiten. Nach dem Eklat auf der Frankfurter Buchmesse und den darauf folgenden Diskussionen wird auch in Leipzig der Umgang mit rechten Verlagen intensiv diskutiert.
Wir wollen im folgenden versuchen einen Überblick über die anwesenden rechten Verlage und ihre Veranstaltungen geben. Die Liste ist bewusst unvollständig, da bei einigen Verlagen eine einfache Einordnung schwer fällt.
Die Liste soll zur Auseinandersetzung mit den verbreiteten Inhalten der durch eben diese Verlage anregen.

Rechte Verlage

(alphabetisch geordnet)

Ahriman-Verlag GmbH
Der Ahriman-Verlag wurde 1982 gegründet und hat seinen Sitz in Freiburg. Unter dem Motto „Unser Programm ist die Wiederkehr des Verdrängten“ liegt der Schwerpunkt des Verlages u.a. bei „klassischer Psychoanalyse und orthodoxem Marxismus“. Obwohl sich der Verlag selbst links verortet fallen seine Publikationen u.a. durch Antiamerikanismus und Antisemitismus auf. Der Verlag solidarisierte sich in einer Erklärung mit den auf der Frankfurter Buchmesse rechten Verlagen. So heißt es in der Erklärung in klassischer Täter-Opfer-Umkehr: „zum ersten Mal seit 1933 sind auf der letzten Frankfurter Buchmesse Verleger physisch bedroht, Verlage überfallen und Bücher vernichtet worden. Vielleicht waren auch Sie Zeugen solcher Szenen, die plastisch veranschaulichten, wie es im unmittelbaren zeitlichen Vorfeld der “Machtergreifung” der Nazis zugegangen sein mußte. Auch diesmal waren die Täter dazu ermutigte staatsalimentierte Schläger, jetzt der “Anti”FA, und staatsnahe bis -eigene “NGO”s an der langen Leine des US-Milliardärs Soros (Amadeu Antonio Stiftung etc.).“

Der Verlag führt am Sonntag dem 18.03.2018 eine Veranstaltung zum Buch „Die Rechts/Links-Verwirrung“ von Fritz Erik Hoevels durch.

Cato Verlag GmbH
Im September 2017 erschien Cato, das „Magazin für Sachlichkeit“ zum ersten Mal. Es wird in der Berliner „Bibliothek des Konservatismus“ vorgestellt und startet mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren. Es erscheint alle zwei Monate. In der Süddeutschen wird das Konzept von Cato wie folgt beschrieben: „Das Heft ist wertig gestaltet und angeblich geschichtsbewusst. Es hat äußerlich eine gepflegte Kundschaft im Blick und kommt vordergründig nicht als lautes Kampfblatt daher, sondern als kultivierte, sinnliche Sammlung von Essays, Features und Feuilletons. Hinter der gediegenen Hülle stecken allerdings führende Köpfe der neuen Rechten.“ Noch deutlicher fällt die Einordnung durch das Antifaschistische Infoblatt aus. „Mit „Cato“ will sich die rechtsintellektuelle Gruppe um Karlheinz Weißmann, Dieter Stein und den Verleger Andreas Lombard („Landt-Verlag“) ein eigenes publizistisches Sprachrohr für neurechte Theorie und Lebenswelten schaffen“.

Zum weiterlesen:
* Andreas Speit: Wie einst in Rom, online abrufbar unter: http://www.taz.de/!5442850/, zuletzt abgerufen am 02.03.2018.
* Christoph Schröder: Römisches Rechtsaußen, online abrufbar unter: http://www.zeit.de/kultur/2017-09/cato-rechtskonservatives-magazin/komplettansicht, zuletzt abgerufen am 02.03.2018.
* Johann Schloemann: Rechte Gedanken in neuem Gewand, online abrufbar unter: http://www.sueddeutsche.de/medien/neues-heft-stuerme-von-gestern-1.3656454, zuletzt abgerufen am 02.03.2018.
* o.A.: Das rechte Magazin „Cato“, online abrufbar unter: https://www.antifainfoblatt.de/artikel/das-rechte-magazin-cato, zuletzt abgerufen am 02.03.2018.

Der Verlag führt keine Veranstaltungen auf der Buchmesse durch.

COMPACT-Magazin GmbH
Compact ist ein seit 2010 monatlich erscheinendes Magazin mit einer Druckauflage von 80.000 Exemplaren (Angabe: Zeit). Inhaltlich geht es im „Magazin für Souveränität“ darum, angeblich unterdrückte Wahrheiten auszusprechen und so den „gleichgeschalteten“ Medien etwas entgegenzusetzen.
Autoren waren und sind neben dem Chefredakteur Jürgen Elsässer u.a. Thilo Sarrazin, Akif Pirinçci, Maritn Sellner, Helmut Röwer und viele andere rechte AkteurInnen.

zum weiterlesen:
* Aufruf vom Bündnis NoCompact gegen die Compact-Konferenz im November 2017 in Leipzig: https://www.nocompact.de/blog/, zuletzt abgerufen am 23.02.2018.
* Christian Fuchs und Fritz Zimmermann: Hauspost für die Wütenden, online abrufbar unter: http://www.zeit.de/2016/25/afd-compact-juergen-elsaesser/komplettansicht, zuletzt abgerufen am 02.03.2018.
* Felix Schilk: Souveränität statt Komplexität. Wie das Querfront-Magazin ›Compact‹ die politische Legitimationskrise der Gegenwart bearbeitet, Unrast-Verlag, Münster 2017.
* Kevin Culina / Jonas Fedders: Im Feindbild vereint. Zur Relevanz des Antisemitismus in der Querfront-Zeitschrift Compact, edition assemblage, Münster 2016.
* kreuzer — Das Leipzig Magazin (Zeitschrift), Ausgabe April 2016, S. 18 ff.
http://www.zeit.de/2016/25/afd-compact-juergen-elsaesser/komplettansicht

Der Verlag führt zwischen Donnerstag und Sonntag insgesamt vier Veranstaltungen durch:
* Die Moschee Notre-Dame: Anno 2048: Jürgen Elsässer im Gespräch mit der Autorin Jelena Tschudinowa
* COMPACT-Geschichte: Gerd Schultze-Rhonhof stellt die Reihe vor, mit Jürgen Elsässer
* COMPACT-Pirinçci: Akif Pirinçci stellt die erste Ausgabe vor, mit Jürgen Elsässer
* Die Perspektive alternativer Medien in Deutschland: Diskussion zwischen Jürgen Elsässer und Götz Kubitschek, Moderation: Peter Feist

Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH
Die Deutsche Stimme mit Sitz in Riesa wurde 1976 gegründet. Sie ist an die NPD angegliedert und gibt u.a. die monatlich erscheinende gleichnamige Zeitschrift „Deutsche Stimme“ heraus. Die Auflage der Zeitung beträgt nach eigenen Angaben 25.000 Exemplare.

Zum weiterlesen:
* Andreas Speit: Braune Stimme wird leiser, online abrufbar unter: http://www.taz.de/!5105378/, zuletzt abgerufen am 02.03.2018.
* Marc Brandstetter: Für 140.000 Euro: NPD-Chefs Apfel und Pastörs sichern Einfluss auf Deutsche Stimme, online abrufbar unter: https://www.endstation-rechts.de/news/fuer-140000-euro-npd-chefs-apfel-und-pastoers-sichern-einfluss-auf-deutsche-stimme.html, zuletzt abgerufen am 02.03.2018.

Der Verlag führt keine Veranstaltungen auf der Buchmesse durch.

Europa Terra Nostra e.V.
Europa Terra Nostra e.V. (ETN, lateinisch für „Europa Unser Land“) ist eine als Verein eingetragene Stiftung der pan-europäischen Fraktion APF – Alliance for Peace and Freedom, welcher im Juli 2015 gegründet wurde. In der APF sind diverse neonazistische und rechte Parteien zusammengeschlosse, so u.a. die NPD aus Deutschland, Kotleba – Ľudová strana Naše Slovensko aus der Slowakei sowie Forza Nuova aus Italien.
Verlegt werden entsprechend z.B. die Bücher „Einer für Deutschland. Als Europaabgeordneter in Strassburg und Brüssel“ von Udo Voigt sowie “Die Rückkehr der echten Rechten. Das Handbuch für die wahre Opposition!“ von Daniel Friberg.

zum weiterlesen:
* Ulli Jentsch: Europa Terra Nostra – ETN, online abrufbar unter: https://www.apabiz.de/2016/europa-terra-nostra-etn/, zuletzt abgerufen am 23.02.2018.
* Danijel Majic: Neonazis kommen zur Buchmesse, online abrufbar unter: http://www.fr.de/kultur/buchmesse-frankfurt/buchmesse-vor-ort/europa-terra-nostra-neonazis-kommen-zur-buchmesse-a-1349084, zuletzt abgerufen am 23.02.2018.
* Ulli Jentsch: https://www.antifainfoblatt.de/artikel/%E2%80%9Ealliance-peace-and-freedom%E2%80%9C-und-%E2%80%9Eeuropa-terra-nostra%E2%80%9C-0, zuletzt abgerufen am 23.02.2018.

Der Verlag führt keine Veranstaltungen auf der Buchmesse durch.

Junge Freiheit Verlag GmbH & Co. KG
Die Junge Freiheit ist eine Wochenzeitung welche 1986 von Dieter Stein gegründet wurde. Mittlerweile beträgt die Auflage knapp 36.000 Exemplare. Sich selbst verortet die Zeitschrift im Bereich des Konservatismus und zählt „Nation“, „Freiheitlichkeit“, „Konservatismus“ und „Christentum“ zu ihren Grundwerten. Dabei wirkt die Junge Freiheit als Schnittstelle zwischen Konservatismus und Neonazismus. Inhaltlich beschäftigt sich die Zeitung mit aktuell politischen Themen wie z.B. Asyl & Migration, Geschlechterpolitik und Erinnerungspolitk – alles natürlich aus einer dezidiert rechten Perspektive.

Zum weiterlesen:
* o.A.: Die »Junge Freiheit«, online abrufbar unter: https://www.antifainfoblatt.de/artikel/die-%C2%Bbjunge-freiheit%C2%AB, zuletzt abgerufen am 23.02.2018.
* Gideon Botsch: Die junge Freiheit – Sprachrohr einer radikal-nationalistischen Opposition, online abrufbar unter: http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/230020/die-junge-freiheit-sprachrohr-einer-radikal-nationalistischen-opposition, zuletzt abgerufen am 23.02.2018.

Die Junge Freiheit führt auf der Buchmesse keine Veranstaltungen durch.

Verlag Antaios, Inh. Götz Kubitschek e.K.
Antaios wurde 2000 gegründet und verlegte nach eigenen Angaben mehr als 150 Bücher. Darunter finden sich u.a. „Kontrakultur“ von Mario Müller „Identitär“ von Martin Sellner sowie „Das Schlachten hat begonnen“ von Akif Pirinçci. „Beim Blick auf die Autorenliste wird deutlich: Zum einen bietet man einen Kanon wichtiger Werke der Vordenker der Neuen Rechten an, wie etwa von Armin Mohler, dem Erfinder der „Konservativen Revolution“. Zum anderen schafft der Verlag für aktuelle neurechte Akteure die Möglichkeit, ihre Bücher zu veröffentlichen.“ (Belltower)

zum weiterlesen:
* o.A.: Was ist der Verlag Antaios?, online abrufbar unter: http://www.belltower.news/node/11597, zuletzt abgerufen am 23.02.2018.

Antaios führt auf der Buchmesse insgesamt vier Veranstaltungen durch:
* „Hegung und Enthemmung“: Benedikt Kaiser und Götz Kubitschek präsentieren die 82. Ausgabe der Sezession
* Abenteuer „Defend Europe“: Götz Kubitschek im Gespräch mit dem Autor Alexander Schleyer
* Free women, free men: Camille Paglia bei Antaios. Ein Gespräch zwischen Ellen Kositza und Martin Lichtmesz
* Nationalmasochismus: Götz Kubitschek im Gespräch mit den AutorInnen Martin Lichtmesz und Caroline

Umgang mit rechten AkteurInnen auf der Buchmesse

Die Auseinandersetzung der letzten Jahre auf der Leipziger Buchmesse sowie die Erfahrungen aus Frankfurt zeigen, dass es wichtig ist rechte Hetze nicht unkommentiert zu lassen. Allerdings versuchen sich Rechte in diesen Situationen immer wieder als die eigentlichen Opfer zu stilisieren und beschwören die Meinungsfreiheit, welche sie eigentlich gerne abschaffen würden. Andreas Speit bezieht sich in einem lesenswerten Beitrag im Magazin „Der rechte Rand“ auf ein historisches Beispiel: „1993 bewegten die ersten Diskurs-Erfolge der »Neuen Rechten« liberale PhilosophInnen und linke PublizistInnen in Frankreich zum »Appell an die Wachsamkeit«. Sie warnten, dass nur »Neu-Rechte« die Profiteure des grenzenlosen Dialogs unter dem Deckmantel des Pluralismus sein würden. Maurice Olender, der Initiator des Appells, formulierte, was heute vergessen scheint: »Man kann über alles, aber nicht mit allen reden«.“
Rings um die Leipziger Buchmesse wird es Veranstaltungen und Aktionen der Kampagne „Verlage gegen Rechts“ geben. Es bleibt abzuwarten wie die Aktivitäten der Rechten in die Buchmesse wirken und ob es ihnen erneut gelingt zumindest temporär einen von Ihnen dominierten Raum zu schaffen.

zum Weiterlesen:
* Andreas Speit: Mit Rechten Reden?, online abrufbar unter: http://www.der-rechte-rand.de/archive/2678/nicht-mit-rechten-reden/, zuletzt abgerufen am 23.02.2018.
* https://verlagegegenrechts.com/

Aufruf von Verlage gegen Rechts zur Buchmesse

Wir unterstützen den Aufruf von Verlage gegen Rechts, einem Zusammenschluss von Verlagen gegen rechte Ideologien auf der Leipziger Buchmesse. Nachfolgend dokumentieren wir den Aufruf. Empfohlen sei ein Blick auf die Homepage, wo u.a. vielfältige Veranstaltungen und Hintergrundinformationen zum Thema zu finden sind.

Wir treten für die Teilhabe möglichst vieler Menschen an Literatur, Kultur und Bildung ein. Dabei spielt es keine Rolle, welche Herkunft, Sprache, sexuelle Identität und Orientierung oder Religion jemand hat. Wir wehren uns gegen die Ausgrenzung von Menschen aus diesen Gründen in jeder Form – politisch, sozial oder kulturell.

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Repression bei den Protesten zur Compact-Konferenz

Im Rahmen der Proteste gegen die Compact-Konferenz sind einige der Gegendemonstrant*innen von Repression betroffen und haben mittlerweile Post von der Staatsanwaltschaft bekommen. Vorgeworfen wird den Betroffenen u.a. Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und versuchte Gefangenenbefreiung. Ob und wann es diesbezüglich zu Gerichtsverfahren kommt ist aktuell noch unklar. Wir werden aber auf dieser Seite darüber informieren.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Repression auch immer Geld kostet. Wenn ihr welches über habt könnt ihr dies an die Rote Hilfe spenden.

Antifa Klein-Paris: Das Richtigere im Falschen tun

Die Antifa Klein-Paris ist Teil vom Aktionsbündnis NoCompact. In Nachbetrachtung der Proteste gegen die Compact-Konferenz und die Innenministerkonferenz ist der folgende Text entstanden. der Text stellt keine Bündnisposition dar, sondern den der Antifa Klein-Paris.

Erst im Sommer wurde die Leipziger Linke geadelt, zu den aggressivsten, radikalsten der sonst wie schlimmen Autonomen zu gehören: Nie mehr zweite Liga! Das Dreieck Hamburg-Leipzig-Berlin wurde beschworen, und ob man sich nun positiv darauf beziehen oder angeekelt davon abwenden will, so suggerierte es doch eine wie auch immer geartete linken oder sogar linksradikale Hegemonie. Dass Leipzig aber nicht so rot ist, und vermutlich auch niemals war, wie es gern bleiben würde, wurde schon deutlich, als es nach den ersten Legida-Demos kaum noch gelang, die Szene für den Widerstand zu mobilisieren. Zugegeben, die Polizeitaktik machte es auch nicht einfach, dort etwas zu reißen und auch uns ist damals kein Umgang eingefallen, der etwas anderes bedeutet hätte, als sich grundlos mit Repression überziehen zu lassen. Trotzdem scheint es symptomatisch für eine radikale Linke in Leipzig zu sein, dass alles, was außerhalb klassischer autonomer Taktiken liegt, heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervorholt. Tatsächlich stimmt noch nicht einmal das wirklich. An die Stelle der tatsächlichen Handlung ist das Bild davon getreten.
Als am 12.12.2015 die Rückkehr des Nazi-Zombies Worch[1] mehrere Tausend Autonome auf die Straße trieb, konnte zwar auch nichts verhindert werden, aber immerhin konnte man sich gegenseitig auf der Straße im Gefecht mit den Bullen beweisen, wie antifaschistisch und radikal man doch sei. Bis heute werden in den verschiedensten alkoholseeligen Runden Partisan*innen-Geschichten von damals ausgepackt. Heroisch wurde der eigene Kiez verteidigt, in dem zwar selbst nichts stattfand, aber wo ja irgendwie ursprünglich was sein sollte und auf jeden Fall war es ganz schön heroisch. Vergessen wird dabei, dass man zu dem Zeitpunkt einer 11-monatigen Dauermobilisierung von Legida schon nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Vor diesem Hintergrund scheint es schon fast so, als sei es damals mehr um einen Abwehrkampf gegangen denn um einen Kampf gegen den Faschismus oder gar den Kapitalismus, von dem man in diesem Zusammenhang bekanntlich nicht schweigen darf. Wenn schon Leipzig verloren ist, erhalten wir wenigstens den Mythos vom Leipziger Süden. Soll das die Antwort sein?
Als am 25.11. diesen Jahres in nächster Nähe zum Szene-Kiez die Compact-Konferenz stattfand, schien sich die Frage zu beantworten. Dort gab sich die Crème de la Crème der deutschsprachigen Rechten ein Stelldichein. Unter der hütenden Hand von Elsässer versammelten sich von den Identitären über den rechten Betriebsrat Oliver Hilburger bis hin zu Höcke und Bachmann alles, was die Reaktion in Deutschland und Österreich gerade bedeutend nach vorne treibt. Wer glaubt, dass ein solches Treffen, auf dem vor allem die Bündnisse geschmiedet werden, die einer Linken in den nächsten Jahren das Leben zur Hölle machen wollen, nicht ungestört stattfinden darf, teilt unsere Analyse und war wahrscheinlich mit uns auf der Straße. Wer glaubte, dass das schon reichen müsste, um ohne künstlichen Alarmismus sowohl Antifaschist*innen als auch eine linke Zivilgesellschaft zu mobilisieren, irrte sich mit uns. Gerade einmal 250 Personen waren nach den optimistischsten Schätzungen dem Aufruf gefolgt, die Tagung zu blockieren. Eine so kleine Gruppe konnte sich weder Hoffnungen auf eine erfolgreiche Blockade, noch auf ausreichenden Schutz vor der Willkür der sächsischen Polizei machen. Und so endete der Gegenprotest schon kurz nachdem die Veranstaltung drinnen begonnen hatte.
Wenn nur noch das Event ködert und die Hoffnung, wenigstens mit ein bisschen Randale dem Altagstrott zu entfliehen, dann ist der Unterschied zwischen politischer Aktion und Silvester am Kreuz eingeebnet worden. Dann ist die politische Praxis, die sich vor dem Zustand einer befreiten Gesellschaft zu rechtfertigen hätte, auf eine Ebene herabgesunken, auf der eine Schneeballschlacht, brennende Mülltonnen und Angriffe auf des hinterhältigste aller staatlichen Organe – die Feuerwehr – wichtiger erscheint als die Frage, wie dem unbekümmert weiterrollenden gesellschaftlichen Rollback etwas entgegengesetzt werden kann.
Der Kampf für ein besseres Leben scheint schon längst aufgegeben worden zu sein. Stattdessen zieht man sich weiter zurück in die eigene Subkultur, die einem noch die Restwärme bietet, die außerhalb verwehrt bleibt. Widerstand ist nur noch Gestus und vor allem ein wichtiger Teil der eigenen Identität, derer es sich beim nächsten anstehenden Event immer wieder selbst zu bestätigen gilt. Dies sollte wohl auch das Motto „Kampf der inneren Sicherheit“ tun, das für die ja grundsätzlich nicht falschen Proteste gegen die Innenministerkonferenz in Leipzig genutzt wurde. Statt nach nicht-autoritären Antworten auf die Probleme, die sich hinter dem Begriff der „inneren Sicherheit“ verbergen, zu suchen, wird die Forderung danach als Ganzes delegitimiert. Natürlich halten auch wir nicht viel von dem Gedanken, dass mit mehr Repression mehr Sicherheit zu erreichen sei, wie es gängige Vorstellung unter den Innenministern zu sein scheint. Aber wenn Militanz nicht als reiner Selbstzweck fungieren soll, sondern ein Anspruch auf Veränderung besteht, muss das auch denjenigen vermittelt werden, die nicht schon wissen, dass es Kapitalismus, Patriarchat, Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus sind, die uns ein Leben in Sicherheit verwehren. Die ganze Mobilisierung zu den Protesten gegen die IMK scheint von vorneherein nur eine linksradikale Szene in den Blick genommen zu haben, statt sich um das Verständnis desjenigen Teils der Gesellschaft zu bemühen, der wenigstens noch der bürgerlichen Ideologie von Freiheit und Gleichheit anhängt und somit prinzipiell auch von der Falschheit der Antworten des autoritären Staats überzeugt werden könnte. Mehr ließe sich erreichen, indem man die Probleme nicht nur abstrakt mit dem Verweis auf Kapitalismus etc. erklärt, sondern ihren sozialen Charakter hervorhebt.
Wir wollen den Genoss*innen, die diesen Protest organisiert haben, nicht in den Rücken fallen, denn das Anliegen halten wir nach wie vor für gerechtfertigt. Uns ist auch bewusst, dass im Rahmen der Demonstration und im Vorhinein in den Veranstaltungen eine inhaltliche Auseinandersetzung stattgefunden hat. Uns geht es aber um eine Frage der Mittel, und da scheinen die Proteste gegen die IMK symptomatisch zu sein. Symptomatisch für eine radikale Linke, die eher an alten Ritualen festhält, weil man das schon immer so gemacht hat, anstatt eine Analyse der Gesellschaft zur Grundlage für ihr Handeln zu machen; der es nicht mehr um die Wirkung ihrer Taten geht, sondern um die Tat selbst. Eine solche Haltung heißt nichts anderes, als schon aufgegeben zu haben. Die Vorstellung einer befreiten Gesellschaft, oder zumindest einer Bewegung in diese Richtung, wurde begraben. An ihre Stelle ist der Wunsch nach privater Behaglichkeit, identitärer Bestätigung und danach, es wenigstens ein-, zweimal im Jahr richtig krachen zu lassen. Wobei, tatsächlich stimmt auch das noch nicht einmal wirklich. An die Stelle der tatsächlichen Handlung ist wiederum nur das Bild davon getreten.
Anstatt immer so weiterzumachen, wollen wir wieder anfangen konkrete Utopien zu entwickeln – auch wenn das erst mal sowas heißt wie sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie in Sachsen eine schwarz-blaue Koalition 2019 zu verhindern ist. Das heißt auch damit, wie es möglich ist, das Richtigere im Falschen zu tun und es mit der befreiten Gesellschaft wieder ernst zu meinen, statt sich im eigenen Handeln auf die etwas freiere Szene zu beschränken.

[1] Worch versuchte schon mehr als zehn Jahre zuvor Nazi-Demos in Leipzig stattfinden zu lassen, die damals jedoch am antifaschistischen und zivilgesellschaftlichen Gegenprotest scheiterten.

Pressespiegel zum Protestgeschehen am 25. November

– Neues Deutschland: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1071326.neue-rechte-in-leipzig-vermieter-droht-compact-konferenz-mit-klage.html

– Tag24: https://www.tag24.de/nachrichten/leipzig-compact-konferenz-alte-messe-eventpalast-chef-nocompact-empfehlung-gegner-spende384561-384561

– Demobeobachtungsgruppe: https://demobeobachtung.noblogs.org/post/2017/11/25/pressemitteilung-zum-protest-gegen-die-compact-konferenz-am-25-11-2017-in-leipzig/

– Spiegel: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/compact-treffen-in-leipzig-skinheads-und-biedere-ehepaare-a-1180337.html

– Zeit: http://www.zeit.de/amp/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/compact-konferenz-leipzig-vermieter-veranstalter-rechtspopulismus

– LVZ: http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Kritik-an-Polizei-nach-Compact-Konferenz-700-Beamte-in-Leipzig-im-Einsatz

– LVZ: http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Provokationen-und-Proteste-bei-Compact-Konferenz-in-Leipzig

-Jungle World: https://jungle.world/artikel/2017/48/voelkische-im-volkspalast

– Leipziger Interner-Zeitung: https://www.l-iz.de/leben/gesellschaft/2017/11/250-Menschen-demonstrieren-gegen-%E2%80%9ECompact%E2%80%9C-198564

– Sächsische Zeitung: http://www.sz-online.de/sachsen/protest-gegen-compact-konferenz-3825426.html

 

Pressemitteilung 25. November: Eine Nachbetrachtung der Proteste gegen die Compact-Konferenz am 25. November

Am 25. November fand in Leipzig die Compact-Konferenz statt zu der das Who ist Who der Neuen Rechten, wie der Identitären-Chef Martin Sellner, die AfD-Abgeordneten Björn Höcke und Martin Reichard, Pegida-Chef Lutz Bachmann, der rechte Betriebsrat Oliver Hilburger und natürlich der Compact-Chefredakteur Jürgen Elsässer anreisten. Zu den Referenten und dem Magazin berichtete das Bündnis im Vorfeld.1

Dem Aufruf des breiten Bündnisses folgten trotz Kälte und Dauerregen nach Angaben von Ordnungsamt und Polizei über 300 Menschen. Sie zogen vom Hauptbahnhof über die Prager Straße zum Eventpalast auf der Alten Messe. Dazu Steven Hummel, Sprecher des Aktionsnetzwerks NoCompact: “Auch wenn uns der Ort erst einen Tag zuvor bekannt wurde und das Wetter wenig demofreundlich war, konnten die Proteste effektiv die Anreise der Konferenzteilnehmer*innen begleiten und den Beginn der Konferenz verzögern. Außerdem ist es uns gelungen, maximale Aufmerksamkeit auf dieses rechte Vernetzungstreffen zu lenken und die Öffentlichkeit zu senibilisieren. Wir hoffen auf folgende intensivere Auseinandersetzung mit diesem Thema. “

Die Polizei reagierte trotz einer Präsenz vor Ort mit 700 Beamt*innen, was einer eins zu zwei Betreuung gleichkam, äußerst repressiv. Sie führte grundlos massiv verdachtsunabhängige Personenkontrollen durch und filmte bei jeder Gelegenheit den Protest ab. Wir werden uns mit diesem Einsatz noch weiter beschäftigen und auf Auswertung drängen.

“Der Vermieter des Eventpalastes, welcher im Vorfeld erklärte von Elsässer getäuscht worden zu sein, hat leider unser Angebot, ein NoCompact-Banner am Gebäude anzubringen, nicht angenommen. Da er ankündigte, die Einnahmen spenden zu wollen, empfehlen wir eine Spende an die Seenotrettung Mission Lifeline 2. Damit würde mit dem Geld der rechten Hetzakteure, den vom Hass dieser selbsternannten Abendlandretter besonders Betroffenen echte Hilfe zuteil,” erklärt Irena Rudolph-Kokot, ebenfalls Sprecherin des Bündnisses abschließend.

1 https://www.nocompact.de/

2 https://mission-lifeline.de/

Aktionskarte

Wir haben eine Aktionskarte für den Protest gegen die Compact-Konferenz morgen erstellt. Diese könnt ihr hier herunterladen. Wenn ihr die Karte selbst ausdruckt macht dies am besten doppelseitig. Die Karte in ausgedruckter Form wird morgen auch in ausreichender Stückzahl bei der Demonstration verteilt werden.

Eventpalast distanziert sich von Compact-Konferenz

Der Eventpalast, also der Veranstaltungsort der diesjährigen Compact-Konferenz, hat sich in einer Erklärung von der Konferenz distanziert. In der Erklärung heißt es, dass der Vermieter erst heute erfahren habe um welche um welche Art von Veranstaltung es sich handle, da die Einmietung unter einem falschen Namen und der Vortäuschung falscher Tatsachen erfolgte. Besonders interessant ist in der Erklärung der Satz “Sollte es zu einer Demonstration kommen werden wir mit den Demonstranten kooperieren”. Wir freuen uns über diese Ankündigung denn wir werden morgen vor Ort sein und die Konferenz stören, erschweren, verhindern!

Aktuelle Infos zum Protestgeschehen [24.11., 16 Uhr]

Wie bereits veröffentlicht, findet die Compact-Konferenz im Eventpalast (Puschstraße 10, 04103 Leipzig) auf der Alten Messe statt. Unser Ziel ist nach wie vor die Konferenz zu stören, zu erschweren und zu verhindern! Wir treffen uns daher 9 Uhr am Kleinen Willy-Brandt-Platz und laufen kurz darauf zum Veranstaltungsort. Die Demonstrationsroute verläuft auf folgenden Straßen: Kleiner Willy-Brandt-Platz, Richard-Wagner-Straße, Goethestraße, Augustusplatz, Johannisplatz, Prager Straße, Alte Messe. Die Demonstration endet direkt vor dem Veranstaltungsort, sodass Protest in Hör- und Sichtweise möglich ist. Neben der Demonstration zu Fuß gibt es ebenfalls eine Demo mit Fahrrädern. Diese startet ebenfalls 9 Uhr am kleinen Willy-Brandt-Platz.

Eine Aktionskarte gibt’s später noch.

Informationen morgen:

  • Twitter: www.twitter.com/antifa_le
  • Ticker: aktionsticker.org
  • Hashtags: #le2511 #nocompact
  • Infotelefon (ab 9 Uhr erreichbar): 0171 / 29 60 366
  • Ermittlungsausschuss (EA, ab 9 Uhr erreichbar): 0351 / 89 96 04 56